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2.11.2006 - Gesundheitsreform

 
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Horst_S



Anmeldungsdatum: 07.05.2004
Beiträge: 6714
Wohnort: The Whisky Store in Seeshaupt

BeitragVerfasst am: 02.11.2006 - 09:51    Titel: 2.11.2006 - Gesundheitsreform Antworten mit Zitat

Seit ein paar Jahren habe ich die Lust am Wählen verloren. Nicht, dass ich mit den Politikern so gnadenlos unzufrieden wäre. Es ist vielmehr der Umstand, dass die Politik – im Gegensatz zu ihren Aussagen – unsere Probleme nicht lösen kann. Nicht, dass sie es nicht will – Sie kann es nicht. Damit ist es egal, ob ich wählen gehe oder nicht.

Beispiel Gesundheitsreform

Gesundheit wird immer teurer. Muss sie auch. Herr Späth (Ex-MP von BW, Ex-CEO von Jenoptik, CEO von Merrill Lynch Deutschland) hat es letztlich in einem Vortrag gesagt: Alte Menschen stolpern. Ruckzuck hat man sich als alter Mensch einen Oberschenkelhalsbruch zugezogen. Früher bekam man ein paar Schrauben gesetzt und einen Stock in die Hand gedrückt - fertig.

Sehen Sie heute noch Menschen mit einem Stock im Straßenbild? Nein, jeder erhält heute eine verlängerte Gelenkprothese und läuft damit besser als zuvor (naja, meistens).

Ist das teurer als früher? Mit Sicherheit! Sollen wir das abschaffen? Auf keinen Fall! Wer verdient? Zuerst Pharma für Medikamente, dann die Prothesenhersteller, anschließend Krankenhäuser und deren Mitarbeiter und am Ende?

Am Ende muss das Alles der Bürger mit seinen Beiträgen begleichen. Sie und ich zahlen. Es gibt da keinen anonymen Staat, der das bezahlen muss oder Konzerne bzw. Gewerkschaften, die nachgeben müssen. Sie zahlen und ich zahle. Mehr als je zuvor mit steigender Tendenz.

Warum? Weil wir alle älter werden und sprichwörtlich nicht am Stock gehen wollen.

Natürlich gibt es Verschwendung. Und das reichlich. Aber kann man mehr als 20 oder 30% im System einsparen? Ich glaube nicht. Doch die auf dem Kopf stehende Alterspyramide sorgt für einen gleichgroßen Anstieg der Krankheitskosten in wenigen Jahren. Das ganze System befand sich über Jahrzehnte in einem eingeschwungenen Zustand, der jetzt eine größere Störung durch die Demografie erhält.

Also macht man eine Reform und alles wird gut? Man wischt dieses System zur Seite und meint (bzw. sagt) mit einem Neuen würde das Alles gerechter und vor allem billiger.

Wie denn? Warum denn? Lauschen wir etwa die Märchenstunde?

Wenn wir da etwas ändern, wird irgendjemand darunter zu leiden haben. Selbst wenn wir Geld drucken würden, würden wir über die folgende Inflation darunter leiden. Im besten Fall holen wir die 20 bis 30% Verschwendung aus dem System heraus (was bei allen beteiligten Maurermeistern seeehr unwahrscheinlich ist). Doch ich bin mir mit diesem Fonds nicht so sicher, ob wir nicht zusätzliche Verschwendung – sprich Bürokratie und Verwaltung – hinzu addieren. Hartz IV lässt grüßen. Das wurde auch teurer als geplant.

Dabei geht es doch nur um zwei Dinge: Die Schwarzen wollen dem Mittelstand zusätzliche Beiträge ersparen und die Roten wollen die Errungenschaften ihrer Klientel sichern und die Mitarbeiter der Krankenkassen vor massiven Entlassungen schützen. Ohne mich auf eine Seite schlagen zu wollen: Für mich ist das ein Widerspruch, der mit einer gemeinsamen Reform nicht gelöst werden kann.

Am Ende des Tages trifft es die, die an diesem Entscheidungsprozess nicht beteiligt wurden. Wer das ist, können Sie sich denken. Ich meine, es werden wieder die Ärzte, die Patienten und letztlich der Bürger geschröpft.

Brauchen wir für so ein Ergebnis eine Reform? Ich glaube es nicht. Das schaffen Politiker auch ganz alleine.

Hat das einen Einfluss auf The Whisky Store? Ja! Der Einfluss ist zwar nur sekundärer Natur, aber das Beispiel des letzten Rentenreförmchens (0,x % erhöhter Rentenbeitrag für Mitarbeiter ohne Kinder) hat bei uns im Haus 1.000 EUR Umstellungsaufwand für die Lohnabrechnung bedeutet. 200 EUR für Software und 800 EUR Personalkosten, da das System nicht sofort so wollte wie wir. Bekam das System mehr Geld in die Finger? Nein! Wir führen monatlich 6,50 EUR mehr Rentenbeiträge ab. Das entspricht nicht einmal den laufenden Zinsen für die Investition bei der Softwareumstellung. In Folge muss die jährliche Lohnerhöhung knapper ausfallen und die Rentenkasse nimmt weniger Geld ein.

Dumm gelaufen. Ich wage die Voraussage, dass die Gesundheitsreform noch heftige Überraschungen für jeden von uns bereit hält.
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Blacky



Anmeldungsdatum: 09.07.2007
Beiträge: 3272
Wohnort: 46244 Kirchhellen

BeitragVerfasst am: 08.04.2010 - 22:32    Titel: Re: 2.11.2006 - Gesundheitsreform Antworten mit Zitat

Horst_S hat Folgendes geschrieben:
Ich wage die Voraussage, dass die Gesundheitsreform noch heftige Überraschungen für jeden von uns bereit hält.


Hr. Horst, sie hatten schon damals den Durchblick. Mit den Augen rollen
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glensascha



Anmeldungsdatum: 30.03.2006
Beiträge: 784
Wohnort: HH

BeitragVerfasst am: 09.04.2010 - 02:31    Titel: Re: 2.11.2006 - Gesundheitsreform Antworten mit Zitat

Blacky hat Folgendes geschrieben:
Horst_S hat Folgendes geschrieben:
Ich wage die Voraussage, dass die Gesundheitsreform noch heftige Überraschungen für jeden von uns bereit hält.


Hr. Horst, sie hatten schon damals den Durchblick. Mit den Augen rollen


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Whisky ist nix anderes als flüssiges Müsli!
( frei nach Walter Schobert)
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taliska



Anmeldungsdatum: 13.03.2009
Beiträge: 2439
Wohnort: im wilden süden

BeitragVerfasst am: 09.04.2010 - 15:07    Titel: Antworten mit Zitat

sagte nicht schon berthold brecht einmal in etwa:

"es ist keine große kunst, in deutschland ein prophet zu sein. es trifft ja meist ein, was man befürchtet."
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Ist es Nestwärme oder doch nur die Reibungswärme, die beim "Über-den-Ladentisch-ziehen" entsteht?
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